Was Barrierefreiheit im „normalen“ Leben bedeutet ist heutzutage wahrscheinlich jedem bewusst, auch wenn man in der komfortablen Situation ist, es nicht selbst erleben zu müssen.
Beobachtet hat sicher jeder schon einmal wie zum Beispiel Sehbehinderte sich mit Hilfsmitteln im Alltag zurechtfinden. Bei der Nutzung von Informationstechnologien sieht das meist schon anders aus. Die Probleme für Menschen mit Beeinträchtigungen bei der Nutzung von Informationstechnologien registriert man selten bis gar nicht.
Wie ist das eigentlich etwas im Internet zu bestellen ohne die Seite richtig erkennen zu können?
Wie geht das überhaupt?
Motivation
- Ich bin durch eine zweitägige Schulung zu diesem Thema damit konfrontiert worden, dass ich eigentlich überhaupt nichts über Barrierefreiheit in der Informationstechnologie wußte und das nach über 20 Jahren Berufserfahrung…
- Bist Du ein Profi in dieser Thematik, dann wirst Du hier nichts Neues finden.
- Geht es Dir aber auch so, dass Du Dich nicht oder nur am Rande mit diesem Thema beschäftigt hast, möchte ich Deine Aufmerksamkeit auf die Probleme von Menschen mit einer Behinderung lenken.
Wie ist das eigentlich sich hilflos zu fühlen ?
Reales Leben
- Mit verbundenen Augen in einem unbekannten Gebäude aussetzen lassen und allein zurückfinden.
- Unmöglich?
- Es fällt Dir höchstwahrscheinlich schwer Dich zurechtzufinden bis hin zu dem Gefühl es nicht schaffen zu können.
- Hilfsmittel
- Nummer 1: Ein Stock
- Als Hilfsmittel biete sich ein Stock an. Das erleichtert es schon einmal nicht überall gegen zu rennen.
- Besser, aber wie finde ich die richtige Abzweigung. Es ist tatsächlich unglaublich schwierig auch mit einem Stock erst einmal eine Tür zu finden.
- Nummer 2: Eine sehende Person
- Eine Person, die Navigation für Dich übernimmt, verschafft deutlich mehr Sicherheit.
- Nummer 1: Ein Stock
- Unmöglich?
Virtuelles Leben
- Setz Dich mit verbundenen Augen an einem Rechner mit beliebig vielen offenen Anwendungen und versuch etwas im Internet zu bestellen.
- Unmöglich?
- Ja, es ist unmöglich. Du wirst froh sein überhaupt auf der Tastatur die Orientierungspunkte zu finden.
- Ja dafür sind die Erhebungen auf dem F und dem J.
- Hilfsmittel
- Nummer 1: Der digitale Stock
- Eine Software, die Dir vorliest welche Anwendung Du ausgewählt hast, auf welchem Reiter Du Dich befindest usw.
- Eine Lösung ist zB: NVDA; Du kannst aber auch andere Lösungen für das Experiment nutzen
- Besser, aber je nach Anwendung oder Internetseite wirst Du feststellen, dass die wichtigen Informationen durch verwirrende Informationen überlagert sind
- Eine Software, die Dir vorliest welche Anwendung Du ausgewählt hast, auf welchem Reiter Du Dich befindest usw.
- Nummer 2: Der digitale Navigator
- Die Software selbst kann diese Aufgabe übernehmen. Ist sie entsprechend entwickelt worden, ist es schon viel einfacher sich zurecht zu finden.
- Nummer 1: Der digitale Stock
- Unmöglich?
Was kann ich als Softwareentwickler tun?
- Informiere Dich. Im Internet gibt es genügend Informationen zu Standards, Zertifizierungen und Testverfahren.
- Ein Selbsttest Deiner WEB Seite auf https://www.bitvtest.de/bitv_test/bitv_test_selbst_anwenden/selbstbewertung.html zeigt Dir sicher welche Themen für Dich interessant sein könnten.
Ein kurzes Fazit
- Analog zu der realen Welt, in der Architekten bei Neubauten darüber nachdenken, ob und wie sie behindertengerecht gebaut werden, solltet Ihr Euch analoge Gedanken machen, wenn zB: neue Webseiten erstellt werden sollen.
- Bei Altbeständen ist es wohl ähnlich zu den Altbauten, nicht überall ist es mit vertretbaren Aufwand möglich sie barrierefrei zu bekommen. Da wo es möglich ist, solltet ihr aber ein paar Gedanken daran verschwenden, wie Barrierefreiheit bei Änderungen berücksichtigt werden kann.

